Im islamischen Glauben ist Reinheit (Tahāra) weit mehr als nur eine alltägliche Gewohnheit; sie ist der erste Schritt, um vor Gott (Allah) zu treten. Daher ist es für die Annahme der gottesdienstlichen Handlungen erforderlich, dass der Körper, die Kleidung und der Ort des Gebets sauber sind. Der Heilige Koran verdeutlicht sowohl die körperliche als auch die geistige Dimension der Reinheit in folgendem Vers:
„Wahrlich, Allah liebt diejenigen, die viel bereuen, und Er liebt diejenigen, die sich reinigen.“
(Sure al-Baqara, Vers 222)
Im Islam wird Reinheit in zwei Arten unterteilt:
Äußere Reinheit: die Reinigung des Körpers, der Kleidung und der Umgebung von Schmutz.
Innere Reinheit: die Reinigung des Herzens von schlechten Gedanken, Hochmut und Neid.
Muslime verrichten die rituelle Waschung (Wudu), bevor sie eines der fünf täglichen Gebete verrichten. Die rituelle Waschung ist eine symbolische und körperliche Reinigung mit Wasser. Dieses Ritual hilft dem Menschen, sich von der Unruhe der Welt zu lösen und in einen Zustand spiritueller Konzentration zu gelangen.
Im Heiligen Koran wird klar beschrieben, wie die rituelle Waschung durchgeführt wird:
„O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr euch zum Gebet erhebt, dann wascht eure Gesichter und eure Hände bis zu den Ellenbogen, streicht über eure Köpfe und wascht eure Füße bis zu den Knöcheln…“
(Sure al-Mā’ida, Vers 6)
Die grundlegenden Schritte der rituellen Waschung:
Absicht und Hände: Der Vorgang beginnt mit der Absicht und dem Waschen der Hände.
Mund und Nase: Mund und Nase werden mit Wasser gereinigt (dies sorgt für Frische und Hygiene).
Gesicht: Das gesamte Gesicht wird gewaschen.
Arme: Die Arme werden zusammen mit den Ellenbogen gewaschen.
Kopf und Ohren: Der Kopf wird mit nassen Händen gestrichen und die Ohren werden gereinigt.
Füße: Die Füße werden zusammen mit den Knöcheln gewaschen.
Nach islamischem Verständnis ist Wasser die Quelle des Lebens und das wichtigste Mittel zur Reinigung. Wenn jedoch kein Wasser vorhanden ist, wird Tayammum angewendet – eine symbolische Reinigung mit sauberer Erde, die die Bedeutung der Absicht betont. Dies zeigt, dass das Ziel der Reinheit im Islam nicht nur darin besteht, „nass zu werden“, sondern eine Disziplin der spirituellen Reinigung zu entwickeln.